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 Betreff des Beitrags: Kodachrome vs. Agfacolor
BeitragVerfasst: 14.10.2006, 12:54 
Hallo allerseits,

kürzlich gab es eine interessante Diskussion über die Entwicklung von Colorumkehrmaterialien, die mich dazu bewog, hier einmal die unterschiedlichen Verfahren vorzustellen.

Beide Verfahren sind Mehrschichtenfilme für Colorpositive ohne Aufnahmezubehör wie beim Linsenrasterverfahren. Es bleibt am Ende der Verarbeitung ein Farbstoffbild übrig, der Film selber ist silberfrei (also nicht wie beim Kornrasterverfahren).

Der Kodachromefilm wurde von zwei Musikern - Leopold Mannes und Leopold Godowsky - entwickelt. Beide waren begeisterte Fotografen und experimentierten mit Colormaterialien. Anfang der 30er Jahre erhielten sie von Kodak Rochester Forschungsunterstützung und den Auftrag, ihre Forschungen weiterzuführen.
Sie entwickelten einen Film, der aus drei Schwarzweißschichten besteht, die jeweils für einen anderen Spektralbereich sensibilisiert sind. Bei der Verarbeitung wird selektiv die Zweitbelichtung vorgenommen. Für jede Schicht eine farbige Belichtung. Danach erfolgt jeweils die chromogene (also farbgebende) Entwicklung der zuvor belichteten Schicht. Die Farbkuppler sind im Entwickler enthalten. Dies hat den Vorteil, dass die Schichtdicke des Filmgs gering ist, erkauft wird dies durch eine sehr aufwendige Verarbeitung. Außerdem ist das Verfahren nicht für den Negativ-Positiv-Prozess geeignet.

In Deutschland entwickelte man zeitgleich in Wolfen einen Mehrschichtenfilm, ging aber einen anderen Weg. Man arbeitete an Feinkornentwicklern für das Schwarzweißverfahren und stellte fest, dass Paraphenylendiamin als Entwicklersubstanz durch die Oxidation im Prozess reaktionsfähig wurde und mit entsprechenden Substanzen kuppeln konnte. Es ergaben sich in den Versuchen einfarbige Negative, daher forschte man weiter. Farbkuppler wurden entdeckt und Versuchschargen gegossen. Das große Problem war die Diffusion der Farbstoffe. Sie müssen einerseits wasserlöslich sein, dürfen aber nicht die Schicht verlassen und in andere Schichten diffundieren, damit die Schärfe und vor allem die klare Farbtrennung gewährleistet ist. Dr. Wilhelm Schneider und Dr. Gustav Willmanns entwickelten die sogenannte "diffusionsechte Komponente". Das bedeutet, dass an den Farbkuppler ein Fettschwanz herangehängt wird, der für die Verankerung in der Schicht sorgt, gleichzeitig aber die Wasserlöslichkeit ermöglicht. Da die Farbkuppler in der Schicht eingelagert sind, ist die Verarbeitung im Gegensatz zu Kodachrome sehr einfach und das Verfahren ist universal auch für den Negativ-Positiv-Prozess nutzbar.

Bei Kodachrome entwickelte man ein solches Verfahren, nutzte aber statt der Fettschwänze ölgeschützte Farbkuppler. Das bedeutet, dass die entsprechenden Farbkuppler von Öltröpfchen umgeben sind und daher in der Schicht verbleiben.

Durchgesetzt - vor allem im Sinne der breiten Anwendungsmöglichkeiten - hat sich das Agfacolor-Verfahren. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass nach dem II. Weltkrieg die Patente freigegeben wurden und sogar Fabrikationsgeheimnisse aufgeschrieben und veröffentlicht werden mussten. Kodachrome fand nur wenige Nachahmer, diese lassen sich fast an einer Hand abzählen.

Das Kodachrome-Verfahren ist für Schmalfilme wie geschaffen, da es durch die höhere Schärfe ein brillanteres Projektionsbild bei den nicht einmal fingernagelgroßen Einzelbildern bietet als dies mit Filmen des Agfacolortyps möglich wäre.
Es fand aber auch bei Kleinbildfilmen bis zuletzt Freunde und Anhänger, obwohl ein Kodachrome 64 mit einem Preis von 18 Euro inklusive Entwicklung nicht gerade ein Preishit ist und gerade das Thema Farbtreue bei Kodachrome eher schwach ist.

Das Kodachrome-Verfahren wurde Ende 1935 in den USA vorgestellt und kam 1936 nach Europa. Am 17.10.1936 fand in Berlin eine Pressekonferenz mit der Vorstellung des Agfacolor-Neu statt. Im November gelangte dieser in den Handel. Beide Verfahren feiern also dieses Jahr in Europa ihren 70-jährigen Geburtstag.

Kodachrome wurde übrigens auch ein Lied von Paul Simon gewidmet.

"Kodachrome
They give us those nice bright colors
They give us the greens of summers"

Ein Nationalpark in den USA ist als Versuchsgebiet neuer Kodak-Emulsionen auch als "Kodachrome-Park" bekannt.

Niko


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BeitragVerfasst: 18.10.2006, 09:11 
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Registriert: 21.07.2006, 16:29
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Niko,

zuerst ganz vielen Dank für Deinen "Artikel"! Für mich war er sehr hilfreich.

Eine Frage habe ich: was läßt sich über das Verhalten der Umkehrfilme bei Unter- bzw. Überbelichtung sagen?
Ich verwende sie eher selten, und hätte gern gewußt, was man vermeiden oder extra tun muß, damit in einer nicht-optimalen (Licht-)Situation nicht alles verloren ist?

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BeitragVerfasst: 18.10.2006, 10:15 

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BeitragVerfasst: 18.10.2006, 18:52 
Hallo,

hat die Sendung jemand mitgeschnitten? Würde mich interessieren, sonst muss ich mal den WDR anschreiben.

Zur Belichtung:
Bei leichter Unterbelichtung nimmt die Dichte der Positive zu, damit auch die Farbsättigung, 1/3-Blendenstufe wird häufig empfohlen, um sattere Farben zu erhalten. Bei stärkerer Unterbelichtung werden die Positive dichter, die Farben verschwärzlichen.
Bei Überbelichtung dünnen die Farben aus, sie verweißlichen, die Lichter fressen aus. Grundsätzlich sollte man auf die Lichter messen, damit diese Zeichnung haben.

Niko


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 Betreff des Beitrags: Kodachrome Bezugsquelle
BeitragVerfasst: 21.12.2006, 11:09 

Registriert: 18.08.2006, 15:29
Beiträge: 2
Hallo,

da ich ein absoluter Fan des vor allem in Sachen Schärfe und Dunkelstabilität bisher unerreichten Filmmaterials Kodachrome bin möchte ich ein paar vielleicht hilfreiche Ergänzungen zu dem sehr informativen Artikel von "Niko" zum Besten geben:

- Ich hatte heute ein längeres Telefonat mit Kodak. Solange der Kodachrome noch produziert wird und bis zum Verfallsdatum der als letztes verkauften Exemplare wird es noch eine Entwicklungsmöglichkeit geben!
- Laut Kodak wird der Film allerdings aufgrund massiv sinkender Absatzzahlen wohl nicht mehr allzu lange produziert werden, ein Datum wurde mir natürlich nicht genannt - für mich stellt sich da ein wenig die Frage, wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei! Sinken die Absatzzahlen weil das Produkt durch seinen hohen Preis und die 2-3 wöchige Entwicklungsdauer unattraktiv wird oder eben umgekehrt?
- Ohne Werbung machen zu wollen möchte ich hier meine Bezugsquelle nennen, preislich äußerst attraktiv (Pro Film unter Euro 12,--): http://www.dappa.nl/shop-prices-page.html

Für mich steht jedenfalls fest, solange es das Produkt gibt werde ich es mit Begeisterung nutzen. E6 Filme die von mir vor 5-10 Jahren belichtet wurden leiden schon heute an Farbmangel - der beste Beweis für die sensationelle Farbstabilität von Kodachrome Filmen sind die Amateuraufnahmen amerikanischer GI's auf 16mm Kodachrome Film aus dem 2ten Weltkrieg!

Allen Verfechtern der echten Photographie ein frohes Fest und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr

Oliver


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.01.2007, 19:58 
Hallo Oliver,

Ektachrome-Filme sind bei angemessener Lagerung (wichtig für jedes Filmmaterial) äußerst farbstabil und stehen dem Kodachrome in nicht viel nach. Die Kodachromes haben einen entscheidenden Nachteil: Sie bleichen bei der Projektion extem schnell aus.

Gruß
Niko


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.01.2007, 16:34 

Registriert: 18.08.2006, 15:29
Beiträge: 2
Hallo Niko,

da scheiden sich wieder mal die Geister :-)
Unabhängige Tests haben etwa den Faktor 10 in Sachen Dunkelstabilität zwischen E6 Material und Kodachrome ergeben - ich selbst habe in meiner Studienzeit an der FH Köln (Fotoingenieurwesen) diverse Studien durchgeführt, es ist schon interessant wie unterschiedlich sich da die verschiedenen Materialien verhalten. Aber das ist zugegebenermaßen auch schon ein paar Jahre her. Auch die immer wieder im Fernsehen z.B. auf VOX gezeigten 16mm Amateuer Filmaufnahmen der GI's aus dem 2ten Weltkrieg sind ein guter Beleg für die überragende Dunkelstabilität - man spricht von 150 Jahren, ziemlich theoretisch, solange gibts den Film noch nicht :-)
Das mit der schwachen Lichtstabilität macht den Film allerdings zugegebenermaßen ungeeignet für oft wieder kehrende Dias Shows, hier hat eindeutig E6 seine Vorteile!!!
Aber wie immer im Leben denke ich ist auch das Thema Filmmaterial ein sehr subjektives und ein jeder hat seine persönlichen Vorlieben. Mir gefällt am Kodachrome, daß er extrem scharf ist, da der Film keine eingelagerten Farbemulsionen hat und daher sehr dünn ausfällt, auch seine intensiven Farben gefallen mir sehr gut. Weniger schön ist, daß mittlerweile - ganz aktuell - der Film nur noch in USA entwickelt wird, das Schweizer Labor wurde geschlossen. Ergo noch längere Wartezeiten :-( Da wird bald keiner mehr den Film kaufen!
Auch weiterhin viel Spaß am Hobby an alle Analogen,

Gruß

Oliver


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